Phasen der Ergotherapie-Ausbildung

Einführung
In der zweiwöchigen „Einführungsphase“ haben die Teilnehmer/Innen Zeit und Raum, sich gegenseitig und die Schule kennen zu lernen. In einem themenzentrierten Projekt sind sie aufgefordert, neue Lernerfahrungen zu sammeln und sich kreativ mit der neuen Lebensphase auseinander zu setzen.

1. Modul
Inhaltlicher Schwerpunkt: Wissenschaftliche und berufsbezogene theoretische Grundlagen kennen + verstehen lernen

Die Ausbildung ist modularisiert. Das 1. Modul beinhaltet theoretischen und praktischen Grundlagenunterricht: medizinische, sozialwissenschafliche und berufskundliche Fächer werden im Kursverband von verschiedenen Dozenten unterrichtet.
Die Teilnehmer beschäftigen sich mit soziologischen, psychologischen, ethischen und politischen Aspekten von Gesundheit und Krankheit und werden mit den berufsrelevanten Fachbegriffen und ergotherapeutischen Praxismodellen bekannt gemacht.
Der Grundlagenunterricht dauert etwa ein ¾ Jahr.
Im Handwerksunterricht findet in 3 Kleingruppen eine Einführung in die verschiedenen Handwerke statt. Begleitet wird dieser praktische Unterricht von einer Einführung in die Handlungstheorie und Handwerksanalyse.

2.- 4. Modul  Idee + Konzept

Danach beginnt der Fachunterricht in Kleingruppen von 6-8 Teilnehmern, die von dem jeweiligen Fachdozenten betreut werden. Dabei hospitieren die Schüler 1x wöchentlich an der künftigen Praktikumsstelle. An jede dieser 6 Fachunterrichtsphasen (Neurologie, Orthopädie, Pädiatrie, Arbeitstherapie, Psychiatrie und Geriatrie) schließt sich das entsprechende 7 bis 9-wöchige Praktikum an.

Mit diesem Konzept können wir auf die Lernbedürfnisse und individuellen Erfordernisse einzelner Schüler eingehen und sie bei ihrem optimalen Kompetenzerwerb optimal unterstützen. Ebenso besteht auf diese Weise eine sehr gute Möglichkeit, anhand der Bearbeitung von Fallbeispielen aus dem ergotherapeutischen Alltag den Bezug zur Praxis herzustellen und die verschiedenen Behandlungsverfahren und -methoden zu lernen.

Die fachpraktische Ausbildung dauert insgesamt 2 Jahre und findet in 3 Modulen statt, die wiederum in jeweils 2 Blöcke gegliedert sind.
Die Module haben unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte, die aufeinander aufbauen.
Jeder Block hat wiederum einen „Unterschwerpunkt“, der ca. 14-tägig im Kursverband bearbeitet und in den fachspezifischen Gruppen vertieft wird.

Handwerk und Aktivitäten des täglichen Lebens sind in den Kompetenzerwerb integriert - je nach Fachbereich mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Für die Praktika stellt die Schule einen Pool von Praktikumsstellen im weiteren Umkreis von Marburg zur Verfügung, aus dem vor Beginn des 2. Moduls von den Ausbildungsteilnehmern die gewünschten Praktikumsstellen ausgewählt werden können.
Die Praktika werden von den jeweiligen Fachdozenten betreut. Die Teilnehmer/Innen kommen
14-tägig an die Schule, um fachspezifische Themen in ihren Arbeitsgruppen zu erörtern.
Sichtstunden werden von der Schule an den Praktikumsstellen abgenommen und bieten Praktikanten/Innen und Lehrkräften eine Möglichkeit, die Anwendung von theoretischem Wissen und praktischem Können in der Praxis zu überprüfen.


Die Module im Einzelnen:

Modul 2
Inhaltlicher Schwerpunkt: einen ergotherapeutischen Befund erheben.

Das übergreifende Modulthema gliedert sich in die Blockthemen:
1. Clinical Reasoning: Daten erheben und interpretieren.
2. Clinical Reasoning: Arbeitshypothesen bilden, Therapieziele entwickeln.

Der Handwerksunterricht ist insofern Teil des fachspezifischen Unterrichts, als anhand eines Patienten im Praktikum ein Fähigkeitsprofil erstellt und in Bezug zu therapeutischen Zielsetzungen gesetzt wird.

Modul 3
Therapeuten- / Klientenbeziehung gestalten; ergotherapeutisch behandeln, beraten, anleiten.

Das übergreifende Modulthema gliedert sich in die beiden Blockthemen
1. Verfahren, Methoden und Mittel der Ergotherapie
2. Clinicial Reasoning: Pragmatisches und Prozedurales Reasoning

Die handwerklichen Aspekte dieses Moduls sind Fragen der Anleitung, die Übertragung der Handwerksanalyse auf Alltagshandlungen anhand eines Fallbeispiels sowie die Modifikation von Handwerkstechniken.

Modul 4
Inhaltlicher Schwerpunkt: ergotherapeutisch handeln, begründen, dokumentieren, organisieren.

Hier gibt es die beiden Blockthemen
1. berufliches Handeln begründen – anwenden von Modellen
2. berufliches Handeln – organisieren und erforschen

Hauptaspekte der handwerklichen Anteile des Unterrichts dieser beiden Blöcke sind:
- Sinn und Bedeutung von Handlung in der ET, klientenzentrierte handlungsorientierte Therapieangebote
- Verknüpfung von Fachbereichen

Prüfungsphase
Am Ende des 3. Ausbildungsjahres gibt es eine Prüfungsvorbereitungszeit, die in das Examen mündet.



Überprüfung erworbener Kompetenzen
Unser Curriculum baut auf die von ENOTHE im Jahr 2006 veröffentlichten und für den Bachelor-Studiengang entwickelten Kompetenzen für Ergotherapeuten/Innen auf.
Die Kompetenzen umfassen:
- Die Verknüpfung relevanten ergotherapeutischen Wissens und Könnens mit Problemen
      therapeutischen Arbeitens
- das Wissen über und die Umsetzung von patientenzentrierter Beziehungs-
      führung und Kommunikation
- Kenntnis und Vermittlung von handwerklichen und alltagsbezogenen Handlungen
- Schlüsselqualifikationen für ergotherapeutisches Arbeiten
- Kenntnis und Anwendung von Lernmethoden

Der Idee vom Life-Long-Learning (auch in Bezug auf Lernkompetenzen) versuchen wir insofern Rechnung zu tragen, als der Kompetenzerwerb stufenweise so aufgebaut wird, dass er allmählich immer komplexer wird und die Möglichkeiten wachsen, Lernprozesse eigenständig und kritisch reflexiv zu durchlaufen (individuell wie als Gruppe). So werden die Grundlagen für eine zukunftsgerichtete und eigenständige Berufspraxis geschaffen.
Das erfordert eine besondere Form der Leistungsüberprüfung, die sich an den zu erwerbenden Kompetenzen auf der Basis einer intrinsischen Motivation orientiert.
Bereits im 1. Modul, erfolgen pädagogische Gespräche, in denen eine erste Selbsteinschätzung der Teilnehmer und eine Rückmeldung durch die Lehrkräfte erfolgen. Dabei geht es insbesondere um den Stand des Wissenserwerbs und der Schlüsselqualifikationen.
Im Handwerksunterricht, muss eine erfolgreiche Teilnahme (90% Anwesenheit, regelmäßige Führung des Handwerksordners und ein „Abschlussprodukt“) per Unterschrift des Fachdozenten bescheinigt werden.
Den Prozess des Wissenserwerbs kann jeder Schüler durch selbst überprüfte Tests verfolgen.
Unserer Erfahrung nach zeichnen sich die bereits erworbenen Kompetenzen am ehesten in den Praktika ab.
Deshalb hat nach einer Sichtstunde die Auswertung des therapeutischen Geschehens insofern eine wichtige Bedeutung, als in diesem Zusammenhang   Lücken festgestellt und rückgemeldet werden können.
Hier kann auch eine Beratung für den weiteren Weg des Kompetenzerwerbs stattfinden.
An dieser Stelle werden als Orientierung im Vergleich zu den anderen Teilnehmern Noten vergeben, die aber nicht als „Vornoten “ zum Examen gesehen werden dürfen.
Nach 2 Blöcken, also mit Abschluss eines jeden Moduls wird jedem/jeder Teilnehmer/in eine Rückmeldung über das Erlangen oder Nichterlangen von Kompetenzen gegeben. Nicht erworbende Kompetenzen können innerhalb des ersten Blocks des kommenden Moduls nachgeholt werden.

Um den möglichst optimalen Aufbau von Kompetenzen zu gewährleisten begleiten wir ab Modul 2 unsere Ausbildungsteilnehmer mit einer Lernberatung.
Sie hat folgende Aufgaben:
- Hilfe bei der Auswahl von individuell sinnvollen Lernmöglichkeiten
- Bewusst machen und Nutzen von eigenen Lernwegen
- Ermöglichen eines kritischen Blicks

Die Ausbildung endet mit dem Staatsexamen, welches aus 3 schriftlichen Prüfungen besteht:
- Allgemeine und spezielle Krankheitslehre
- Psychologie, Pädagogik, Berufs- und Gesetzeskunde
- Ergotherapeutische Behandlungsverfahren
mit jeweils 3 Stunden Dauer.

Die Handwerksprüfung inklusive Handwerksanalyse findet an 2 aufeinander folgenden Tagen statt.

Darauf folgt eine angewandte Prüfung am Patienten mit Befundung, Durchführung und mündlicher Reflexion.

Den Abschluss bilden drei mündliche Prüfungen in den Fächern...

- Biologie, beschreibende und funktionelle Anatomie, Physiologie
- Medizinsoziologie und Gerontologie
- Grundlagen der Ergotherapie