
Ergotherapie - eine besondere Ausbildung
Fokus Ergotherapie e.V. in Cölbe hat einen dreijährigen Ausbildungsgang entworfen, in dem der Erwerb von Wissen, therapeutischer Handlungskompetenz und Schlüsselqualifikationen gleichermaßen einen Platz haben.
Unterricht findet in gewohnter und ungewohnter Form statt: während die Grundlagen weitgehend im Frontalunterricht vermittelt werden, finden Handwerks- und insbesondere der Fachunterricht in Kleingruppen von 6-8 Schülern statt. Das hier erworbene Wissen wird direkt im Anschluss in einem ca. 8-wöchigen Praktikum umgesetzt und vertieft.
Wo es möglich und nötig ist, erarbeiten die Ausbildungsteilnehmer selbstständig und eigenverantwortlich Themen oder Problemstellungen unter Anleitung ihrer Ausbilder und Ausbilderinnen. So findet der Handwerksunterricht und die Begleitung während der Praktika in Kleingruppen statt. Im Einüben der therapeutischen Rolle und praktischen ergotherapeutischen Arbeit werden anhand von Beispielen aus dem beruflichen Alltag Fragen bearbeitet, therapeutisches Handeln erprobt und in der Gruppe ausgewertet. Dabei können Wissen und Kenntnisse angewendet werden, die Ausbildungsteilnehmer können aber auch eigene Stärken und Schwächen erkennen, lernen eigene Gefühle wahrzunehmen und Verhaltensweisen und Haltungen zu hinterfragen. Durch das Hineinschlüpfen in fremde Rollen und die Auseinandersetzungen in der Gruppe werden einfühlsames Verhalten, aber auch das Vertreten eigener Standpunkte gefördert. Dabei verstehen sich die Ausbilderinnen als Begleiter von Lern- und Entwicklungsprozessen und regen fortwährend zur Reflexion an.
Aber das ist bei Weitem nicht alles. Um die Schüler als verantwortlich handelnde Therapeuten aus der Ausbildung entlassen zu können, die in der Lage sind sich selbst stabile Überzeugungen und hohe moralische Grundsätze zu Eigen zu machen, hat sich die gesamte Institution besondere Strukturen gegeben:
Die Lehrkräfte erwarten nicht nur von den Ausbildungsteilnehmern, dass sie sich auseinandersetzen, sondern stellen diesen Anspruch auch an sich selbst. Die Schulleitung ist auf ein Team verteilt, das Verantwortungsbereiche aufteilt, aber alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam fällt. Diese Entscheidungen werden den Auszubildenden transparent gemacht und nicht selten mit diesen diskutiert und von ihnen beeinflusst.
Ein wesentliches Mitbestimmungsinstrument von Schülern ist die Qualitätsarbeit. Nicht nur Entscheidungsprozesse auf Leitungsebene, auch die finanziellen Belange der Schule werden den Schülern transparent gemacht; sie haben Einblick in nahezu alle Bereiche der Schulorganisation.
So erreicht die Schule natürlich eine starke Identifikation der Teilnehmer mit der Institution.
Ebenso stellt sich die Schule permanent den Fragen, Anregungen und der Kritik der Schüler. So bedeutet Schule für alle ein lebendiges Miteinander.
Die Idee ist, dass die Teilnehmer hohe Maßstäbe anlegen: an die Schule, an die Institutionen, in denen sie einmal arbeiten werden und an ihre eigene Arbeit als Therapeuten. Sie haben innovative Ideen, sie beschäftigen sich konkret mit Möglichkeiten etwas zu verbessern, das im Argen liegt und sie entwickeln ganz besondere Kommunikationsfähigkeiten, die sie für ihre Berufstätigkeit mit Patienten und Kollegen benötigen.
Die Schule befindet sich in dem fortlaufenden Qualitätssicherungsverfahren DVE 2000 des Berufsverbandes, dessen Sinn es ist, vorhandene Systemschwächen aufzuspüren und zu verbessern. Wir haben im Jahre 2003 als eine der ersten Schulen in Deutschland das Qualitätszertifikat DVE 2000 des Berufsverbandes erworben, welches im März 2009 zuletzt erneuert wurde. Bereits seit 1993 sind wir zertifiziert nach den Vorgaben des Ergotherapeutischen Weltverbandes WFOT.
Die Ausbildung bei Fokus erfüllt, bis auf Teile der wissenschaftsbezogenen Inhalte, alle Kriterien von ENOTHE (European Network of Occupational Therapists in Higher Education) für den Bachelor-Studiengang Ergotherapie.
Schüler, die die entprechenden Voraussetzungen erfüllen, können nach BAFöG gefördert werden.
Auf der Grundlage der Ausbildungs- und Prüfungsordnung vom 1.7.2000 unterrichten wir:
2700 Unterrichtsstunden theoretische und praxisbezogene Ausbildung in den Fächern:
* Grundlagen der Ergotherapie
-Berufs-/Gesetzes-/Staatskunde
-Fachsprache, Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten
* Medizinische Grundlagen
-Grundlagen der Gesundheitslehre und Hygiene
-Biologie, beschreibende und funktionelle Anatomie und Physiologie
-Allgemeine Krankheitslehre
* Spezielle Krankheitslehre einschließlich diagnostischer, therapeutischer,
präventiver und rehabilitativer Maßnahmen sowie psychosozialer Aspekte
-Arzneimittellehre
-Grundlagen der Arbeitsmedizin
-Erste Hilfe
* Sozialwissenschaftliche Grundlagen
-Psychologie und Pädagogik
-Behindertenpädagogik
-Medizinsoziologie und Gerontologie
* Ergotherapeutische Mittel
-handwerkliche und gestalterische Techniken mit verschiedenen Materialien
-Spiele, Hilfsmittel, Schienen und technische Medien
* Ergotherapeutische Verfahren
-Grundlagen der Ergotherapie
-Motorisch-funktionelle Behandlungsverfahren
-Neurophysiologische Behandlungsverfahren
-Neuropsychologische Behandlungsverfahren
-Psychosoziale Behandlungsverfahren
-Arbeitstherapeutische Verfahren
-Adaptierende Verfahren in der Ergotherapie
-Prävention und Rehabilitation
Wir betrachten den Menschen als individuelle Körper-Geist-Seele-Einheit in Beziehung zu seiner Umwelt. Damit grenzt sich unsere Schule von einer reduktionistischen Sichtweise ab, die den Menschen als funktionelle Einheit sieht.
So liegt uns daran, die sozialwissenschaftlichen, biologischen und medizinischen Grundlagen zu vermitteln mit dem Ziel, ein ganzheitliches Verständnis des menschlichen Handelns und der Ergotherapie zu ermöglichen. Die für die Ergotherapie spezifischen Mittel und ihre Anwendung, auch unter Zuhilfenahme besonderer Methoden, sind Gegenstand der Ergotherapie-Ausbildung und werden von Ergotherapeuten und handwerklichem Fachpersonal unterrichtet.
1700 Stunden werden in der fachpraktischen Ergotherapie-Ausbildung absolviert in verschiedenen Arbeitsbereichen.